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Fall Kachelmann: Intime Details einer Nacht05.09.2010 - Augsburger Allgemeine Für den Boulevard ist es der Prozess des Jahres: Von heute an muss sich Deutschlands bekanntester Wettermoderator Jörg Kachelmann (52) vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Er wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und dann vergewaltigt zu haben. Kachelmann streitet alles ab. Tatsächlich gibt es Zweifel an den Angaben des Opfers. Ein Gespräch mit dem Augsburger Strafverteidiger Florian Engert über Wahrheitsfindung, Emotionen und möglicherweise entscheidende Momente. Was macht diesen Fall so besonders? Engert: Sexualstraftaten sind schwerste Verbrechen. Die Öffentlichkeit ist in diesem Bereich sehr sensibilisiert. Das zeigt insbesondere die Diskussion um die Sicherungsverwahrung. Gerade bei Sexualstraftätern wird gefordert, dass diese für immer und ewig weggesperrt werden - ohne die Möglichkeit, vorzeitig entlassen zu werden. Nun kommt hinzu, dass Kachelmann durchaus beliebt ist und ihm viele eine solche Tat nicht zutrauen. Wir haben es hier mit einer möglichen Beziehungstat zu tun. Erschwert das die Wahrheitsfindung? Engert: Auf jeden Fall. In einer Zwei-Personen-Konstellation sind immer hohe Anforderungen an die belastende Aussage eines Opfers zu stellen. Da bei sexuellen Beziehungen naturgemäß Emotionen mitschwingen, wird es für jeden Beteiligten besonders schwierig, Erlebtes objektiv zu berichten. Es steht Aussage gegen Aussage. Wie kann man die Wahrheit herausfinden? Engert: Das Gericht befragt natürlich die Zeugen, in erster Linie Kachelmanns ehemalige Freundin. Ihrer Aussage wird zentrale Bedeutung zukommen. Die Richter werden dabei versuchen, über bestimmte Kriterien den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen. Wie geht das? Engert: Man vergleicht beispielsweise die Aussage in der Verhandlung mit der früheren Aussage bei der Polizei und schaut nach möglichen Abweichungen. Dann beobachten die Richter, wie sich ein Zeuge im Prozess verhält. Versucht er, jemanden gezielt zu belasten oder neigt er zu Übertreibungen? Und dann werden natürlich Detailkenntnisse zum Tathergang abgefragt. Kachelmanns Freundin wird sehr genau erzählen müssen, wie sich alles zugetragen hat. Eine oberflächliche Schilderung reicht da nicht aus. Und was kann entscheidend sein? Engert: Der Hauptgrund, der oftmals zur Unglaubwürdigkeit eines Zeugen führt, ist, dass er von seiner bisherigen Aussage abweicht. In der Verhandlung werden gleich fünf Sachverständige ihre Gutachten vorstellen. Was sind das für Gutachten und welche Bedeutung haben sie? Engert: Das werden zum einen medizinische Gutachten sein, in denen die Frage der körperlichen Verletzungen geklärt werden muss. Nachdem im Fall Kachelmann ein Messer eine Rolle gespielt haben soll, muss auch die Frage abgeklärt werden, ob sich das Opfer etwaige Verletzungen nicht selbst beigebracht haben könnte. Zum anderen werden psychologische Gutachten eingeholt. Die Sachverständigen werden sich sehr tiefgründig mit der Frage der Glaubhaftigkeit der Aussage von Kachelmanns Freundin auseinandersetzen müssen. Solche Gutachten sind in der Regel entscheidend für den Ausgang eines Verfahrens. Es sind 25 Zeugen geladen. Interessanterweise will das Gericht erst frühere Freundinnen von Kachelmann befragen und erst am 9. Verhandlungstag das mutmaßliche Opfer. Ist das nicht ungewöhnlich? Engert: Es kann durchaus Sinn machen, dass sich das Gericht zunächst nicht nur ein Bild von der eigentlichen Tat, sondern auch von der Person und der Persönlichkeit des Angeklagten machen will. Wenn so eine Tat bei ihm noch nie vorgefallen ist und jede seiner Ex-Freundinnen sagt, dass es im sexuellen Bereich noch nie zu Gewalt gekommen ist, dann kann man natürlich die Frage stellen, warum er gerade in diesem einen Fall ausgerastet sein soll. Andererseits: Jeder kann zeit seines Lebens der friedlichste Mensch sein und eines Tages, aus welchen Gründen auch immer, zum Straftäter werden und schwere bis schwerste Verbrechen begehen. Interview: Andreas Frei Quelle: Augsburger Allgemeine |


